Wie läuft die Schulung für das TOPseven Ecosystem ab?
Unsere Schulung ist in Theorie und Praxis unterteilt und dauert insgesamt drei Tage. Am ersten Tag erfolgt eine theoretische Einführung in unser System inklusive einer Auffrischung zur Flugsicherheit. Anschließend wird im zweiten und dritten Tag der praktische Teil direkt an einer Windkraftanlage durchgeführt. Hier erlernen die Teilnehmenden die Bedienung unserer Software, die Missionsvorbereitung sowie den Umgang mit der Hardwarekomponenten inklusive Kamera und Signalgeneratoren. Die Schulungsteilnehmenden müssen im Vorfeld über die EU-Lizenz A1/A3 verfügen und GWO-zertifiziert sein, da im Rahmen der Schulung auch Arbeiten in der Anlage durchgeführt werden.
Wie lange dauert eine vollständige Inspektion mit dem System von TOPseven?
Die Inspektionsdauer hängt vom Umfang der durchzuführenden Aufgaben ab. Eine vollständige Inspektion mit Kalibrierung, LPS-Messung und visueller Rotorblatt und Turminspektion benötigt weniger zwei Stunden. Wenn ausschließlich eine visuelle Inspektion der Rotorblätter erfolgt, beträgt die Einsatzzeit rund eine Stunde. Für eine alleinige Blitzschutzmessung (LPS) liegt die Einsatzzeit bei ca. fünfzig Minuten. Alle Werte basieren auf typischen Anlagenkonfigurationen mit 112 Meter Rotordurchmesser und 140 Meter Nabenhöhe. In kürze folgende Systemupdates haben eine weitere Reduktion der Gesamtinspektion um 25% zum Ziel.
Wie viele Personen sind für eine Inspektion vor Ort notwendig?
Für den Einsatz vor Ort sind grundsätzlich zwei Personen mit gültiger GWO-Zertifizierung erforderlich. Diese Anforderung ergibt sich aus den sicherheitsrelevanten Vorschriften, insbesondere bei Arbeiten auf oder in Windenergieanlagen. Bei rein visuellen Flügen ohne jeglichen Anlagenaufstieg kann in Einzelfällen auch mit einer Person gearbeitet werden, sofern die jeweiligen Health & Safety-Richtlinien dies zulassen. Sobald jedoch ein Techniker in die Anlage aufsteigt, sind aus Sicherheitsgründen immer zwei geschulte Personen vor Ort notwendig
Welche Umweltbedingungen müssen für eine Inspektion gegeben sein?
Unsere Drohnenlösung ist für den Einsatz bis zu einer Windgeschwindigkeit von 15 Metern pro Sekunde zugelassen. Auch bei leichtem Nieselregen, Nebel oder Schneefall sind Flüge technisch möglich. Allerdings kann die Bildqualität und damit die visuelle Auswertung unter diesen Bedingungen eingeschränkt sein. Die Einsatztemperaturen bewegen sich im Bereich von -10 bis +40 Grad Celsius. Die Sicherheit der Inspektoren hat hierbei stets oberste Priorität, weshalb bei starkem Wind oder Glätte gegebenenfalls nicht in die Anlage eingestiegen werden darf, selbst wenn die Drohne technisch noch einsatzfähig ist.
Welche Sensorik und Datentechnologie wird verwendet?
Der autonome Flug basiert vollständig auf speziell verarbeiteten visuellen Daten. LiDAR-Sensoren werden aktuell nicht verwendet, da unser Kalibrierverfahren auf einer präzisen optischen Erfassung des Turms und der Rotorblätter beruht. Die neue TOPseven Kamera enthält zusätzlich ein TOF-Modul zur Tiefenerkennung, welches ergänzend zur visuellen Navigation verwendet werden kann. Für die LPS-Messung setzen wir einen elektrischen Feldsensor ein, der das durchgeleitete Signal entlang der Blitzschutzleitung detektiert. Aus der Feldverteilung lässt sich erkennen, ob ein kontinuierlicher Durchgang besteht oder ob Unterbrechungen vorliegen. Diese Methode ist vom TÜV Süd validiert und entspricht den Anforderungen der aktuellen BWE-Blitzschutzrichtlinie.
Wie ist die Datenhoheit geregelt und was passiert mit den erfassten Daten?
Die volle Datenhoheit liegt beim Kunden beziehungsweise dem Betreiber der Windkraftanlage. Alle während der Inspektion aufgenommenen Bilder, Messergebnisse und Metadaten werden im Rahmen der vertraglichen Vereinbarung dem Kunden zur Verfügung gestellt und verbleiben in seinem Besitz. TOPseven speichert die Daten temporär auf eigenen AWS-Servern. Die Verwendung der Daten zum Training kundeneigener KI erfolgt nur im Rahmen des mit dem Kunden geschlossen Vertrages. Dieser Passus ist fester Bestandteil der Rahmenvereinbarung mit Partnern. Ziel von TOPseven ist es, dass Kunden nach erfolgreichem Training in der Lage sind, das System vollständig autark zu betreiben und ihre eigene KI weiter zu trainieren.
Wie funktioniert die Auswertung der Daten und wer erstellt den Bericht?
Die Auswertung erfolgt in zwei Stufen: Zunächst generiert die TOPseven-Software nach Abschluss der Mission automatisiert einen Vorbericht. Die integrierte KI kennzeichnet potenzielle Schäden oder Auffälligkeiten auf den aufgenommenen Bildern, trifft jedoch keine Aussage über die Schwere oder Klassifikation der Schäden. Anschließend übernimmt ein Blattexperte auf Kundenseite die finale Sichtung und Bewertung. Dieser entscheidet, ob die von der KI erkannten Stellen tatsächlich relevant sind, gibt Feedback zur KI-Erkennung und finalisiert den Bericht. TOPseven selbst bietet keine eigene Schadensklassifikation an, sondern stellt die Softwareplattform zur Verfügung, mit der die Experten arbeiten können. Bei Bedarf, insbesondere in frühen Projektphasen, kann TOPseven auf Wunsch einen internen Sachverständigen zur Unterstützung beistellen, um gemeinsam Berichte zu erstellen und die Einführung beim Kunden zu erleichtern.
Welche Möglichkeiten zur Systemintegration und zum Export der Berichte gibt es?
Die Berichte können als strukturierter JSON-Export bereitgestellt werden und sind über eine API-Schnittstelle in bestehende Systeme integrierbar. Der aktuelle Standard-Output erfolgt als JSON-Datei, die in die kundeneigenen Systeme wie z. B. Instandhaltungsdatenbanken, ERP- oder CMMS-Plattformen importiert werden kann. Bei Bedarf kann auch eine direkte Abstimmung mit der Entwicklerseite von TOPseven erfolgen, um den Datenexport noch gezielter an interne Prozesse oder bestehende Schnittstellen anzupassen. Ziel ist es, einen automatisierten Übergang zwischen Flugmission, Schadensklassifikation und Weiterverarbeitung im Kundensystem zu ermöglichen, ohne Medienbrüche oder manuelle Zwischenschritte.
Welche Kostenmodelle bietet TOPseven an und wie funktioniert die Abrechnung?
Das Geschäftsmodell von TOPseven ist zweistufig aufgebaut: Zunächst fällt eine einmalige Aktivierungsgebühr in Höhe von ca. 18.000 Euro pro Drohnenteam an. Diese beinhaltet die komplette Schulung, die Einrichtung des Systems, die initiale Hardwarebereitstellung (Kamera, Signalgeneratoren und Sensorik) sowie alle künftig erscheinenden Softwareupdates. Nach der Aktivierung wird jede durchgeführte Flugmission separat abgerechnet. Der Preis pro vollständiger Mission, bestehend aus Kalibrierung, LPS-Messung und visueller Inspektion, liegt aktuell bei ~ 330 Euro. Dieses Modell ermöglicht eine transparente, planbare Kalkulation und lässt gleichzeitig Raum für eine ausreichende Marge auf Seiten von Partnern oder Ländergesellschaften, die das System operativ einsetzen.
Ist das Messverfahren normkonform und vom TÜV anerkannt?
Das von TOPseven eingesetzte Messverfahren zur Blitzschutzprüfung basiert auf der Messung elektrischer Feldstärken entlang des Ableitsystems der Rotorblätter. Es handelt sich um eine indirekte Durchgangsprüfung, die keine ohmschen Widerstandswerte ausgibt, sondern über die Feldverteilung Rückschlüsse auf die Integrität der Ableitstrecke zulässt. Dieses Verfahren wurde durch den TÜV Süd validiert und entspricht den Anforderungen der BWE-Blitzschutzrichtlinie aus 2021. Die Richtlinie erlaubt explizit alternative Messverfahren, sofern diese von einer akkreditierten Stelle validiert und verifiziert wurden. Genau das ist im Fall von TOPseven erfolgt. Ein direkter Widerstandswert wird nicht ausgegeben, da es sich nicht um eine klassische Vierleitermessung handelt, sondern um eine feldstärkenbasierte Auswertung, die insbesondere in der Anwendung durch autonome Drohnen erhebliche praktische und zeitliche Vorteile mit sich bringt. Die Messung wird auch unteranderem von großen Versicherungsgesellschaften akzeptiert.
Wie genau ist die Schadenserkennung und was kann die KI aktuell leisten?
Die KI ist in der Lage, auf den aufgenommenen Bilddaten potenzielle Schadstellen zu markieren, kann jedoch derzeit eine automatische Klassifikation oder Schweregradbewertung durchführen. Sie dient ausschließlich zur Vorselektion. Die finale Bewertung bleibt in der Hand des Blattexperten, der die KI-Ergebnisse überprüft, bestätigt oder korrigiert. Diese Feedbackdaten werden von TOPseven wiederum genutzt, um das KI-System kontinuierlich weiter zu trainieren. Besonders kleine Schäden, etwa Haarrisse oder Ausbrüche im Bereich von wenigen Millimetern, lassen sich mit dem System erkennen und markieren. Auch eine Entwicklung von Schäden über mehrere Inspektionszyklen hinweg kann perspektivisch abgebildet werden. Hierfür ist ein sogenannter Schadens-Lifecycle-Vergleich in Vorbereitung, der für 2026 vorgesehen ist.
Gibt es die Möglichkeit, das System live zu erleben?
TOPseven bietet regelmäßig exklusive Live-Demonstrationen an, bei denen interessierte Kunden und technische Entscheider das System in der Praxis erleben können. Diese Demos finden an eigenen oder von Ihnen ausgewählten Standorten statt. Ziel ist es, einen geschützten Rahmen zu schaffen, in dem maximal drei bis vier Personen gemeinsam eine Live-Inspektion begleiten können, inklusive Kalibrierung, Flug, Messung und Berichterstellung. Das persönliche Erleben des Systems im realen Einsatz hat sich als besonders überzeugend erwiesen und hilft dabei, technische Fragen direkt vor Ort zu klären und Vertrauen in die Funktionsweise aufzubauen.
Wie geht TOPseven mit internationalen Projekten und Rollouts um?
TOPseven Partner sind aktuell in mehreren Ländern im Einsatz, darunter Frankreich, Spanien, Schweden und Deutschland. Internationale Rollouts werden gemeinsam mit Partnern durchgeführt. Da regulatorische Anforderungen von Land zu Land variieren, erfolgt die Projektabwicklung immer in enger Abstimmung mit lokalen Expertenteams und gegebenenfalls mit ergänzenden Schulungen oder Genehmigungsprozessen. In Schweden beispielsweise liegt die Herausforderung weniger im regulatorischen Umfeld als in der wirtschaftlichen Argumentation für neue Verfahren. TOPseven unterstützt seine Partner hier mit Fallstudien, Schulungsmaterial und Demonstrationen, um die Akzeptanz in konservativen Märkten zu erhöhen.
